Fachsimpelei

G wie generative Vermehrung

Was die Vermehrungsarten angeht, hört man als Überbegriffe oft die Begriffe „generative Vermehrung“ und „vegetative Vermehrung“, doch was kann man unter „generativer Vermehrung“ verstehen?

Was ist die generative Vermehrung?

Die generative Vermehrung wird auch geschlechtliche Vermehrung genannt. Bei Pflanzen gibt es männliche und weibliche Pflanzen. Durch deren Bestäubung entsteht Samen, mit der man entsprechend neue Pflanzen heranziehen kann. Daher auch das Wort „generativ“, um die verschiedenen Generationen (=neue Pflanzen) zu beschreiben.

Die Vermehrung über Pflanzensamen ist für viele einjährige Pflanzen die einzige Möglichkeit, da sie über Stecklinge keine Wurzeln bilden oder bei Gehölzen die Stecklingsvermehrung generell schwierig ist und man dort (im Gartenbau) das Veredeln zum vermehren vorzieht.

Gekauftes Saatgut

Gekauftes Saatgut unterliegt hohen Qualitätsstandards was die einzelnen Merkmale angeht:

  • Gesundheitszustand – Samen von gesunden Mutterpflanzen wächst entsprechend besser und hat weniger Anfälligkeit gegen Krankheiten
  • Erbgut – Die Sortenreinheit ist ein wichtiger Punkt. Man möchte beispielsweise nur roten Mohn in seiner Tüte haben und nicht weißen oder gelben. Auch gibt es zahlreiche andere Unterschiede zwischen den Sorten, als die Farbe.
  • Reinheit – Wenn man 100 g Saatgut hat, wieviel Verunreinigungen (Spreu, Sand usw.) sind dann darin? Bei 95 % Reinheit hat man 5 g von 100 g an Verunreinigungen dabei.
  • Keimfähigkeit – Im Samenkorn ist nicht nur der Samen ansich mit seinem Erbgut, sondern auch Nährstoffe, damit der Samen überhaupt keimen kann. Die Nährstoffe im Samenkorn werden aber mit zunehmenden Alter weniger und die Chance, dass der Samen keimt, sinkt dementsprechend.
  • Gebrauchswert – Der Gebrauchswert setzt sich aus der Reinheit und der Keimfähigkeit und sagt aus, wieviel keimfähiger Samen zur Verfügung steht.
  • Tausendkorngewicht (TKG) – Gibt das durschnittliche Gewicht von 100 Samenkörner an und dient zur einfacheren Berechnung des Samenbedarfs und zum besseren Vergleichen der einzelnen Samensorten.

All diese Merkmale hat man, wenn man Saatgut kauft. Das muss natürlich nicht heißen, dass damit alles perfekt verläuft. Aber auch gerade was die Sortenreinheit angeht, ist man mit gekauften Saatgut auf der sicheren Seite.

Selbst hergestelltes Saatgut

Wer diverse Mutterpflanzen hat, kann selber Saatgut sammeln. Man hat dann aber nicht die obigen Merkmale und es kann (was teils ja auch gewollt ist) oftmals Variationen in Farbe, Form und Wuchs der Pflanze geben. Dafür ist es eine billige Möglichkeit, Pflanzen zu vermehren ohne auf den Fachhandel angewiesen zu sein.

Und sonst?

Für viele gibt es nichts schöneres, als von den eigenen Pflanzen den Samen zu sammeln und diese selbst heran zu ziehen. Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Aber auch gegen industriell hergestelltes Saatgut lässt sich wenig sagen, da die Anforderungen daran sehr hoch sind und auch entsprechend gesetzlich geregelt und überwacht werden.

Andererseits darf man gerade in der Landwirtschaft nicht vergessen, dass die Vielfalt an Pflanzen immer weiter abnimmt und auch teils nur wenige große Firmen Saatgut anbieten. So haben ein paar wenige eine hohe Verantwortung, was mit dem Samen passiert und wie dieser auch hergestellt wird. Doch dafür gibt es viele Privatleute und auch öffentliche Institutionen, die Saatgut sammeln (gerade auch von gefährdeten Sorten) und die für die Nachwelt und für den Fall der Fälle aufbewahren.

Die generative Form der Vermehrung ist also doch ein sehr vielschichtiger Bereich der sicherlich auch noch einer näheren Beleuchtung bedarf, als wie es mit diesem „kurzen“ Anriss hier möglich ist: Wie sät man richtig aus? Welche verschiedenen Saatgutformen gibt es? Was für Keimarten gibt es? Welche Keimbedingungen sind wichtig? Es gibt noch viel zu schreiben.

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