Gartenbau

Gärtner – Ein Beruf mit Zukunft?

In meinem allerersten Blogartikel hier auf Velanga habe ich ein wenig die verschiedenen Fachrichtungen des Gärtners vorgestellt. Kaum einer kennt sie, für die meisten gibt es eben den Gärtner für alles. Dass es aber 7 Fachrichtungen und zahlreiche andere Berufe im grünen Bereich gibt, wissen meist nur die, die auch in diesem Bereich arbeiten.

Doch wie sind überhaupt die Zukunftsaussichten im Gartenbau? Lohnt es sich, dort einzusteigen? Oder sollte man es lieber lassen?

Ob man es lassen soll oder nicht, würde ich pauschal von einem selber abhängig machen: Welche Möglichkeiten, welchen Schulabschluss habe ich? Was möchte ich in meinem Leben erreichen und vorallem: Was kann ich überhaupt erreichen?

Fließbandarbeit statt Pflanzen streicheln

Man darf sich keine Illusionen machen: Der Gartenbau ist Industrie pur und entwickelt sich immer weiter dahin. Es wird immer weniger per Hand gemacht, wo es geht wird automatisiert und wo das eben nicht geht, heisst es arbeiten und zwar schnell. Wer in der Produktion arbeitet oder seine Ausbildung macht, muss Leistung bringen und dabei nicht mal viel wissen. Was in der Ausbildung noch wichtig ist (Für die Prüfung), juckt später keinen mehr. Da zählt Schnelligkeit und sonst nichts.

Im Verkauf herrscht dabei das klare Gegenteil: Hier muss man fundierte Pflanzenkenntnisse haben und Schnelligkeit spielt hier nur eine geringe Kontrolle. Daher ist alleine schon die Betriebswahl und die Sparte wichtig. Gehe ich in die Produktion oder in den Verkauf? Nach meiner persönlichen Erfahrung lässt sich die Frage eindeutig mit „Verkauf“ beantworten.

Gärtner und die finanzielle Attraktivität

Finanzielle Attraktivität gibt es beim Gärtner nicht. Wobei ich nur für die Betriebe sprechen kann, die ich so bisher mitbekommen habe. Soll heißen:

  • Bruttogehalt am Rande des Niedriglohnbereichs
  • Kein Weihnachtsgeld
  • Viele Überstunden (Die aber immerhin vergütet werden)
  • Starre Arbeitszeiten (Flexibel wie Holz)
  • Mögliche gesundheitliche Probleme im Laufe der Zeit

Hab ich was vergessen? Bestimmt. Aber das Wichtigste: Attraktiv sieht anders aus. Für sowas sich abrackern? Kennt man aus anderen Branchen, nur dass wir keine Gewerkschaft haben, die uns alle paar Jahre ein paar % mehr beschert. Ich habe zumindest noch nie was von streikenden Gärtnern gehört.

Auswege aus dem Dilemma?

Man kann sich fortbilden. Meister oder Techniker lernen. Dafür muss man aber Geld haben ( Ein bzw. zwei Jahre überbrücken). Dafür sind Meister/Techniker sehr begehrt und haben weitaus mehr Möglichkeiten als der Gärtner ansich. Gärtner bleiben in der Regel Gärtner. Meister oder Techniker haben folgende Möglichkeiten:

  • Entwicklungshelfer
  • Gutachter
  • Unternehmer/Geschäftsführer
  • Landschaftsarchitekt
  • Fachlehrer
  • Berater
  • Journalist
  • Forscher/Wissenschaftler
  • Entwicklungshelfer

Ok, teils muss man dafür studieren, was aber mit entsprechendem Notendurchschnitt und finanziellen Möglichkeiten möglich sein sollte. Außerdem muss man nicht für alles studieren. Manche Meister/Techniker werden dann eben auch nur als Vorarbeiter angestellt, leiten einen Bereich in einer Gärtnerei oder sind komplett für die Kulturen zuständig, während der Chef selbst für den Verkauf zuständig ist.

Wichtig ist jedenfalls, dass der Lohn je nach Stelle erheblich steigt und auch die Art der Arbeit wesentlich attraktiver wird. Als Gärtner selbst hat man eher wenig Möglichkeiten. Man kann durchaus auch Vorarbeiter werden oder Abteilungsleiter und im Verkauf kann man beispielsweise durchaus eine leitende Stelle erreichen. Auch ein Fachjournalist ist durchaus nicht abwegig, aber schon alleine durch die begrenzte schulische Qualifikation ist der Spielraum doch ein wenig begrenzt.

Was also tun?

Wer mit Pflanzen arbeiten möchte soll das tun. Sehr gerne sogar! Auch wenn ich viele negative Seiten dargestellt habe, ist es doch kein grauer Bürojob, sondern ein manchmal auch schöner Beruf mit Pflanzen. Die Möglichkeiten:

  • Möglichst im Verkauf eine Ausbildung und später eine Stelle finden
  • Oder eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker machen
  • Wem das noch nicht reicht und entsprechende Möglichkeiten hat: Studieren
  • Oder am Besten (Wer Abitur hat): Gleich studieren

Pauschal kann man einfach nicht sagen, was man machen soll. Fakt ist eben: Finanziell ist der Gärtner kein attraktiver Beruf. Daher sollte man schauen, was man daraus machen kann. Aber Meister/Techniker sind kein Freibrief für eine gute Stelle. Teils werden Meister auch nur Vorarbeiter mit ein paar Euro mehr die Stunde. Ob das dann so toll ist? Zumal man auch wenn man studiert bedenken sollte, dass die 3 Jahre Praxiserfahrung im Studium oder danach sehr wertvoll sein können.

Geht es der Branche gut?

Die Verbände sagen ja. Zitat:

„Die Gartenbaubranche habe Potenzial und Zukunft, dies gelte es, gemeinsam mit der Politik auszubauen.“ – Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau

 

„Gartenbau bleibt auf Erfolgskurs.“ – Dr. Robert Kloos, Staatsekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Frage ich meinen Chef: „Ja René, es könnte besser sein, aber ich bin zufrieden.“. Auch sonst hört man nicht sooo schlechte Stimmen aus der Branche. Klar, es gibt Betriebe die haben es leichter und andere, die es schwerer haben.

Momentan ist vorallem der Nachwuchs ein Problem. Wie ich oben ja schon beschrieben habe, ist der Beruf jetzt nicht so attraktiv, Jugendliche interessieren sich eher für Büroberufe, die durch die Arbeit ansich attraktiver sind und zum einen meist auch finanziell/allgemein durch Tarife besser gestellt sind.

Das wäre auch fast die einzige Möglichkeit, die Attraktiviät des Gärtners bei den Jugendlichen zu stärken: Finanzielle Anreize. Wo bewerbe ich mich eher? Dort, wo flexiblere Arbeitszeiten, Weihnachtsgeld, mehr Urlaubstage winken oder im Gartenbau, wo es all das nicht gibt?

Daher finde ich dann auch die Verbände immer lustig, die dann publizieren, wie wichtig Nachwuchsförderung sei und man dies und das machen müsse, bla, bla… Am Ende liegt es an den Betriebsinhabern, attraktive Stellen anzubieten, sei es als Ausbildungs- oder als Arbeitsplatz. Sonst können die Verbände Werbung machen wie sie lustig sind. Wenn der Bewerber die Konditionen zwischen verschiedenen Ausbildungsberufen vergleicht, hilft die beste Werbung nichts.

Daher sind die Betriebe da auch einfach gefordert, ein wenig Geld zu investieren und damit auch zu sagen: „Du bist uns was wert, wir zeigen dir das auch.“. Und nicht nach dem Motto: Arbeite, egal wie, hauptsache schnell, der Rest ist mir egal, friss oder stirb.

Dass da nicht jeder Betrieb die gleichen Möglichkeiten hat, versteht sich von selbst. Oftmals sind es ja kleinere Familienbetriebe im Gartenbau mit maximal 5 Mitarbeitern, dass man da nicht so viele Möglichkeiten hat, wie in einem großen Konzern versteht sich von selbst. Aber selbst kleine Dinge würden helfen, die Sitation zu verbessern.

Fazit

Man kann durchaus als Gärtner glücklich sein, darf aber keine Wunder erwarten. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich weiterbilden. Der Branche geht es soweit ganz gut, auch wenn sie im Umbruch steht. Je nachdem wo man wohnt ist die Auswahl an Ausbildungsbetrieben eh verschwindend gering. Daher auch Augen auf bei der Wahl der Fachrichtung. Das Nachwuchsproblem dürfte in den nächsten Jahren wohl eher schlimmer als besser werden, was natürlich für Arbeitnehmer und die, die es werden wollen von Vorteil ist. Es könnte also durchaus schlimmer sein…

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