Fachsimpelei

Substrate – Eine Übersicht

Mit Perlite.
Weihnachts-
sternerde
mit Perlite.

Gestern hatte ich eine Übersicht an Erden veröffentlicht. Doch die meisten kaufen fertige Substrate und machen sich die Erde/Substrate nicht selbst. Doch welche Substrate gibt es? Machen Spezialsubstrate Sinn?

Was ist überhaupt ein Substrat?

In meinem gestrigen Artikel hatte ich erklärt, dass Erden durch Kompostierung hergestellt werden. Substrate hingegen jedoch werden industriell hergestellt. In einem Erdmischwerk werden die einzelnen Stoffe gemischt und abgepackt. Die Hauptinhaltsstoffe sind meist Humuserde und Torf welche aber in verschiedenen Mengen hinzugefügt werden – je nach Verwendungszweck.

Hauptvorteil solcher industriellen Substrate gegenüber Erden sind die gleichbleibende Qualität, die immerwährende Verfügbarkeit, enthalten keine Schadstoffe, Krankheitserreger oder Schädlinge und eben auch dass man sich für jeden Verwendungszweck passend ein Substrat herstellen lassen kann.

3 Substrate, 3 verschiedene Verwendungszwecke

Eine Übersicht industrieller Substrate.
Eine Übersicht
industrieller Substrate.

Was die verschiedenen Verwendungszwecke und die dazu passende Substrate angeht, möchte ich mal die passenden Beispiele vorstellen. Diese erlebe ich in der Gärtnerei, in der ich arbeite, immer hautnah mit:

  • Pikiererde – Die wichtigste Erde für uns, in die etwa 70 % aller Pflanzen kommen. Viel Humuserde, stark durchgemischt mit viel Torf und Kokosfaser für Luftigkeit und gleichzeitiger guter Wasserverfügbarkeit. Um diese nochmals zu verbessern, ist 10 % Ton beigemischt, der nochmals gut Wasser speichert. Ist nur schwach aufgedüngt, die Düngung erfolgt über das Gießwasser. Dafür ist Osmocote-Langzeitdünger für die ersten 6 Wochen dabei. Letztlich ist noch Kalk dabei, der den ph-Wert leicht alkalisch hält.
  • Staudenerde – Ebenfalls wie die Pikiererde mit viel Humus und Torf. Dabei ist hier aber viel Granulat beigemischt, um die Erde locker zu halten und so die Durchwurzelung und die Drainage zu gewährleisten. Ist ebenfalls nur schwach aufgedüngt, da man über das Gießwasser gezielter Düngen kann. Verfügt aber ebenfalls über Osmocote-Langzeitdünger für 6 Wochen.
  • Poinsettienerde – Poinsettien sind Weihnachtssterne welche nochmals eine gesonderte Erde erfordern. Der Weihnachtsstern ist sehr pilzanfällig so dass das Substrat sehr locker und luftig sein muss. Daher ist neben einer Grundmenge an Humuserde sehr viel  Kokosfaser und Torf beigemischt. Gleichzeitig ist auch nochmal Perlite (aufgeschäumtes Polystrol) beigemischt um die Luftigkeit nochmals zu verbessern. Gedüngt ist die Ponsettienerde gar nicht, da der Weihnachtsstern noch dazu salzempfindlich ist. Daher hat die Erde auch keinen Langzeitdünger.

Damit ist so ein klein wenig auch schon die Frage beantwortet, ob Spezielerden Sinn machen: Tun sie durchaus, aber nur in sehr reduziertem Umfang. Für die Vielzahl an Gattungen, Arten und Sorten kommen wir als Erwerbsgärtner mit 3 Substraten aus. Doch wie sieht es im privaten Bereich aus?

Welche Substrate sind sinnvoll?

Die Allrounderde
für fast alles.

Zuallererst: Man braucht nicht für jedes Pflänzchen ein eigenes Substrat.  Man sollte als Grundregel einfach die Grundbedürfnisse der jeweiligen Pflanze heranziehen: Aus welcher Gegend kommt sie? Welche Erde findet sie dort vor? Wenn man nach diesen Kritieren geht, bleiben einem nicht viele Substrate übrig:

  • Aussaaterde – Unausweichlich wenn man aussäen möchte. Kaum aufgedüngt, locker in der Struktur, ideal zum Heranziehen.
  • Pikiererde – Wenn der Sämling ausreichend groß ist, wird er in die leicht aufgedüngte Pikiererde gesetzt, um sich weiter zu entwickeln. Trotzdem bekommt er aufgrund der lockeren Struktur immer noch die Möglichkeit, gut Wurzeln zu bilden.
  • Topf-/Pflanzerde – Zum Pikieren, für Balkonkästen, Kübelpflanzen, Zimmerpflanzen, kurz: Der Allrounder: Bietet eine gute Zusammenstellung für die meisten Pflanzen so dass man meist auf dieses Substrat zurückgreifen kann.
  • Kakteen-/Sukkulentenerde – Hier sollte man durchaus zu Spezielsubstraten mit viel Sand ausweichen, da die Pflanzen ansonsten „absaufen“ und auch schwierig Wurzeln bilden können.
  • Kübelpflanzen – Kübelpflanzen haben einen hohen Wasser- und Luftbedarf. Würde man nur Komposterde verwenden, würde das Substrat verschlammen, die Wurzeln ersticken und im Wasser ertinken. Subtrate für Kübelpflanzen haben eine gute Drainagefähigkeit, speichert aber gleichzeitig auch Wasser um an heißen Tagen nicht gleich komplett auszutrocknen
  • Orchideenerde – Warum die Orchidee nicht in normale Erde setzen? ganz einfach, wie oben erwähnt sollte man schauen, woher die Pflanze kommt: Die meisten Orchideen sitzen als Aufsitzer auf Ästen oder ähnlichem im Regenwald auf Bäumen und haben Luftwurzeln. Daher brauchen sie das spezielle Substrat da die Pflanze sonst eingehen würde.
  • Rindenhumus – Nutzt man meist zur Bodenverbesserung in Beeten wenn man Nährstoff- oder andere grundlegende Probleme mit dem Boden hat. Nicht zu verwechseln mit dem Rindenmulch, welcher nur zum Bodenabdecken oder als Bodenbelag verwendet wird.
  • Zimmerpflanzenerde – Ähnlich der Poinsettienerde sehr locker, wasserdurchlässig und leicht aufgedüngt kommt das den meist tropischen Zimmerpflanzen zugute.

Die ein odere andere Situation gibt es sicherlich noch. Aber mit den obigen Substraten kommt man in der Regel gut aus und man hat die meisten Gebiete abgedeckt. Gutes Beispiel ist die Tomatenerde welche sich durch simple Blumenerde wunderbar ersetzen lässt. Hat man bei der Tomate Probleme mit Pilzen, so sollte auf ein lockeres Substrat setzen. Da gilt es wie bei allem: Beobachten und notfalls reagieren.

Substrat oder Erde?

Staudenerde mit Granulat
und Langzeitdünger.

Ich habe im Artikel mehrfach manchmal die Bezeichnung Erde und Substrate verwendet, was den einen oder anderen verwirren dürfte. letztendlich kann man aber beide Begriffe im Alltag verwenden, was wesentlich unkompliziertes ist, als dauernd die Begriffe zu wechseln. Selbst im Profibereich ist man da nicht so genau (derletzt selber mit einem Vertreter eines der größten Substrathersteller in Europa gesprochen) und da ist man auch nicht so pingelig. Das nur mal am Rande.

Fazit

Es gibt also durchaus einen Unterschied zwischen Erde und Substrat und man sollte nicht jedem Spezialsubstrat hinterher rennen sondern auf dem Boden bleiben. Weniger ist mehr. Das ist auch bei dem Thema Torf der Fall, das nochmal einen separaten Artikel wert ist. Auch da sollten private Anwender wie auch die Profis etwas sparsamer damit umgehen.

Aber auch hier ist es schwer den Überblick zu behalten. Denn wer sich mit gutem Gewissen Bio-Erde kauft hat unter Umständen trotzdem Torf drin. Wenn auch nicht so viel. Das Thema wird einen also immer beschäftigen. Mann kan viel falsch, aber auch viel richtig machen. Die Mischung macht es.

0 Kommentare zu “Substrate – Eine Übersicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.