Der Unterschied zwischen Herbizid, Insektizid und Fungizid

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Diese drei Begriffe hört man doch immer wieder: Herbizid, Insektizid und Fungizid. Die meisten werden nur Produktnamen wie das bekannte Roundup gehört haben. Aber was bewirken die einzelnen Pflanzenschutzmittel? Welche Wirkung und welche Nebenwirkungen haben sie? Gibt es noch mehr Giftstoffe als die obigen drei?

Der große Unterschied

Als Privatmann(-frau) hat man mit speziellen Kennzeichnungen und Namen eher wenig zu tun. Das oben genannte Roundup ist beispielsweise für den privaten Gebrauch teils gar nicht zulässig. Und doch hört man immer wieder die drei obigen Begriffe.

Sich diese drei Begriffe zu merken, was sie denn nun genau bedeuten, ist gar nicht so schwer. Jeder kennt ein Herbarium, so nennt man Pflanzensammlungen und somit auch die Wirkung Herbizide = wirksam gegen Pflanzen. Bei Insektiziden ist es noch einfacher, da steckt es direkt im Namen: Gegen Insekten. Und bei Fungiziden darf man an Pizza mit Pilzen denken, die meist Pizza Funghi genannt wird: Funghi = Fungizide = Gegen Pilze.

Zur besseren Übersicht hier alle Giftstoffe, welche mit dem Begriff Pestizide als Überbegriff gesammelt werden:

Pestizide
  • Akarizide = Milben
  • Algizide – Algen
  • Aphizide = Blattläuse
  • Arborizide – Gehölze
  • Avizide – Vögel
  • Bakterizide – Bakterien
  • Fungizide = Pilze
  • Graminizide – Gräser
  • Herbizide = Unkräuter
  • Insektizide = Insekten
  • Molluskizide = Schnecken
  • Nematizide = Nematoden
  • Ovizide = Eistadien
  • Rodentizide = Nagetiere
  • Viruzide – Viren

Kennen sollte man aber nur die drei wichtigsten: Herbizide gegen Unkraut, Insektizide gegen Insekten und Fungizide gegen Pilze.

Herbizide

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Wer Probleme mit Unkraut im Garten hat, wird schon auf den Gedanken gekommen sein, ein Herbizid wie Roundup oder Finalsan einzusetzen. Doch muss man bei Herbiziden beachten, dass diese meist gegen alles wirken, was Blätter hat.

Dadurch sind die Einsatzmöglichkeiten doch arg begrenzt. Zumeist wendet man es auf Terrassen, Balkone, Wege und ähnlichem an, um dort auch die Fugen unkrautfrei zu bekommen. Ansonsten kann man es zur Beetvorbereitung nutzen, um ein  Beet unkrautfrei zu bekommen.

An Flächen mit Zierpflanzen, Gemüse und Obst ist aber grundsätzlich Vorsicht geboten, insbesondere wenn starker Wind weht: Schon ein leichter Kontakt mit den Mitteln schädigt auch Pflanzen, die man eigentlich gar nicht weg haben wollte. Und auch gerade bei Gemüse und Obst möchte man kein Pflanzenschutzmittel auf den Früchten haben.

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Grundsätzlich sollte man sich aber auch überlegen, ob es nicht umweltfreundlichere und insgesamt sanftere Methoden gibt, das Unkraut los zu werden. Gerade wenn Kinder und Haustiere im selben Haushalt wohnen, wäre das eine Überlegung wert. So kann man beispielsweise mit einem Gasbrenner Fugen unkrautfrei halten und auch für Rasentrimmer/Freischneider gibt es Einsatzmöglichkeiten.

Auch muss man beachten, dass manche Mittel keine Zulassung für den Privatanwender haben, auch wenn es diese im Baumarkt frei zu kaufen gibt. Man sollte sich hier also vorher informieren, ehe man solche Mittel benützt.

Insektizide

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Wer Blattläuse, Spinnmilben oder ähnliches schon an seinen Zimmerpflanzen hatte wird es vielleicht schon mit den bekannten Stäbchen versucht haben, welche auch zu den Insektiziden gehören. Wobei die Stäbchen eben nicht über das Besprühen der Pflanze ausgebracht wird, sondern systemisch wirkt. Soll heißen: Der Wirkstoff wird über die Wurzel aufgenommen und durch die ganze Pflanze an die Blätter verteilt. Die jeweiligen Schädlinge nehmen dann den Wirkstoff durch Fraß an den Blättern oder den abgesaugten Pflanzensaft auf.

Dabei gibt es natürlich auch spritzbare Insektizide für den Privatbereich, die aber nur selten eingesetzt werden, da sie teils starke Nebenwirkungen haben. Wenn man so möchte, könnte man aber auch das berühmte Seifenwasser gegen Läuse zu den Insektiziden zählen, welches für den Menschen logischerweise unbedenklich ist.

Bei Insektiziden gibt es nicht viele Wahlmöglichkeiten. Zuallererst sollte man versuchen, eine starke, gesunde Pflanze zu haben. Das minimiert schon einmal das Risiko eines Befalls. Ansonsten hat man eben systemische Mittel wie die Stäbchen oder eben das beregnen mit Seifenwasser. Hilft das alles nichts, sollte man sich überlegen, ob man da mit der chemischen Keule daran geht oder lieber nicht eine neue Pflanze kauft.

Fungizide

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Wer darauf achtet, gesunde, starke Pflanzen zu haben und diese richtig pflegt und an den richtigen Standort stellt. Wird selten mit Pilzen Probleme haben.

Bevor man zu Fungiziden greift, sollte man versuchen, kranke Pflanzenteile zu entfernen und die Pflanze insgesamt trockener zu halten und etwas luftiger zu stellen. Meist entstehen Pilze durch zu wenig Luft an Pflanze oder Wurzel welches durch falsche Erde und/oder falsches gießen verursacht wird.

Hilft das alles nichts, geht an einer Pflanzenschutzanwendung kein Weg vorbei. Da die Mittel teils recht oft die Zulassung verlieren, empfehle ich hier, sich im Fachhandel entsprechend beraten zu lassen.

Was spricht gegen die Anwendung mit Pestiziden?

  • Es gibt genug Alternativen wie mechanische Vernichtung mit Geräten usw.
  • Die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist nicht zu unterschätzen
  • Resistenzbildung – Manche Unkräuter haben gegen Roundup beispielsweise schon Resistenzen gebildet.
  • Wirtschaftlichkeit – Lohnt es sich oder lieber eine neue Pflanzen kaufen?
  • Bienengefährlichkeit – Bienen haben es in der heutigen Zeit durch die intensive Landwirtschaft sowieso schon schwer. Pflanzenschutzmittel können den Bienen erheblich zu schaffen machen
  • Falscher Umgang mit Wartezeiten und Anwenderschutz

Was spricht für die Anwendung mit Pestiziden?

  • Manchmal helfen mechanische oder pflegerische Maßnahmen nicht mehr
  • Auch bestimmte Standorte (Unter Bäumen beispielsweise) oder andere Gegebenheiten lassen nur solch eine Maßnahme zu
  • Kann man richtiger Anwendung durchaus für Umwelt, Anwender, Bienen und Co verträglich sein
  • Teils bessere Wirtschaftlichkeit auch im privaten Bereich

Fazit

Das Thema Pflanzenschutz ist ein riesiges Thema, das hier mit diesem einen Artikel bei weitem nicht abgeschlossen ist. Abschließend kann man sagen, dass man immer abwägen sollte, wann ein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinnvoll ist und wann nicht.

Meist hat man andere sinnvolle Möglichkeiten, die ebenfalls wenig Arbeit erfordern und dabei noch Mensch und Umwelt schonen. Vor allem als Privatmann(-frau) sollte man erst mal alle Möglichkeiten ausloten und selbst im Erwerbsgartenbau versucht man zunehmend, Nützlinge einzusetzen und andere natürliche Methoden anzuwenden. Mit Erfolg.

7 Kommentare zu “Der Unterschied zwischen Herbizid, Insektizid und Fungizid

  1. Hallo René,

    das ist ein sehr informativer Artikel, super! Toll finde ich, dass Du auch die Alternativen aufzeigst, denn im Fachhandel und professionellen Gartenbau wird immer noch zu schnell zur Sprühdose gegriffen, ohne die von Dir beschriebenen Schritte überhaupt zu bedenken.
    viele Grüße
    Lilli

    • René Zintl

      Das stimmt, wobei die Gärtner immer mehr dazu gezwungen werden, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen, da die Kunden immer mehr für das Thema sensibilisiert sind.

      Daher sind Nützliche auch unter Glas ein immer größeres Thema, was auch zu begrüßen ist.

      Vielen Dank auch für das Lob. 🙂

  2. Hallo Rene,
    ein sehr informativer Artikel, jedoch wundert mich, daß du explizit die Verwendung von Herbiziden auf Wegen anführst, wobei dies doch mit der Änderung des Pflanzenschutzgesetzes von 2001 nahezu komplett verboten wurde.

    besten Gruss
    Andreas

    • René Zintl

      Je nach Bundesland ist eine Verwendung von Mitteln, die den Aufdruck „Anwendung im Haus- und Kleingarten zulässig“ haben, im Haus- oder Kleingarten zulässig.

      Daher auch er Hinweis, sich vorab zu informieren, was bei einem im Ort zulässig ist und was nicht. Außerdem dass man auch beachten sollte, welche Mittel man im Einzelhandel kauft.

  3. Pingback: Natürliche Schädlingsbekämpfung im Garten - Wohnungs-Einrichtung.de

  4. Elisabeth

    Hallo, Rene,

    seit heute Morgen durchsuche ich das Netz nach den Auswirkungen von Glyphosat auf Gehölze.

    Dabei bin ich auf Deine Seite gestoßen. Vielleicht kennst Du Dich ja damit aus.

    Ich habe den bösen Verdacht, dass mein Nachbar, über unsere 1,80 m hohe Holztrennwand hinweg meine Pflanzen besprüht hat.

    Eine Clematis und der Weinbergpfirsich zeigen keinerlei Anzeichen von Leben mehr, vom Aprikosenbaum ist ein Ast tot und welk und am Holunder, der Kletterhortensie und der Himbeere wachsen winzig kleine Blattbüschel. Und das alles in einem Bereich, wo er von seiner Terrasse aus hinreichen kann.

    Im Moment bin ich völlig ratlos.

    Viele Grüße
    Elisabeth

    • René Zintl

      Hallo Elisabeth,

      Ich habe selber schon mit Roundup – das als Wirkstoff Glyphosat hat – gearbeitet. Da zwar nur gegen Unkraut, aber die Wirkung ist diese, dass die Blätter gelb und trocken werden. Konntest du das auch beobachten?

      Es kann durchaus sein, dass das dein Nachbar war. Richtig beweisen kann man es aber nur über eine Boden- oder Pflanzenanalyse. Auch ist die Frage, ob es Streit mit dem Nachbarn gab oder gibt. Es muss auch nicht zwingen Roundup sein, was er benutzt hat, es gibt auch noch andere Herbizide.

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