Der Gartenbau und der Mindestlohn

Der Mindestlohn wurde beschlossen. Und in den verschiedenen Branchen rumort es kräftig. Auch in der Gartenbaubranche diskutiert man heftig über dieses Thema. Immerhin gibt es für manche Branchen wie dem Gartenbau Übergangsregelungen, so dass der Mindestlohn im Gartenbau erst ab 2017 greift.

Was beschlossen wurde

Außerdem haben sich die Arbeitgeber im Gartenbau mit der Gewerkschaft IG-BAU Anfang Juli daraufhin geeinigt, dass man auch einen tariflichen Mindestlohn einführt, der bis 2017 auf 9,10 Euro klettern soll und danach wie der gesetzliche Mindestlohn regelmäßig angepasst wird. Auch arbeitet man an einem Bundesrahmentarifvertrag.

Zu diesem Bundesrahmentarifvertrag muss man sagen, dass zwar der ZVG (Zentralverband Gartenbau) existiert, der als oberster Verband für den Gartenbau steht, es aber viele kleine Landesverbände gibt, die dann jeweils den Tarif für die jeweilige Region aushandeln. Dabei versucht man beispielsweise in Baden-Württemberg schon seit einigen Jahren, die beiden Verbände Württembergischer Gärtnereiverband und den Badischen Gärtnereiverband zusammenzuschließen. Leider bisher mit mäßigem Erfolg. Daher versucht man jetzt mit einem Bundesrahmentarifvertrag diese Zerstückelung zu umgehen und für alle Arbeitnehmer im deutschen Gartenbau einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Wie sehen es die Arbeitgeber im Gartenbau?

Wie man dabei in der Ausgabe Nr. 28 der Taspo lesen kann, sind die Stimmen branchenintern sehr negativ zu diesem Thema. So hat man dort diverse Vertreter verschiedener grüner Berufsverbände zu diesem Thema befragt und die meisten lehnen den gesetzlichen Mindestlohn ab und bezeichnen diesen als „Eingriff in die Tarifautonomie“.

Dabei muss man sagen, dass es der Gartenbau wirtschaftlich nicht ganz so leicht hat. Der Strukturwandel, dass immer mehr kleine Betriebe schließen und die bestehenden Betriebe dabei immer größer werden und sich automatisieren, nimmt immer mehr zu. Auch der Preisdruck ist enorm, da man nur schwer die steigenden Kosten als Unternehmer weitergeben kann. Das geht teilweise nur in kleinen Cent-Schritten und fängt die Unkosten teils gar nicht auf.

Auch was den Verkauf angeht, verlagert sich immer mehr hin zu großen Fachgartencentern oder eben Richtung Baumarkt und Lebensmitteleinzelhandel. Der kleine Blumenladen hat es zunehmend schwerer. Dass es dann die Unternehmer gar nicht gut finden, dass der Staat jetzt in die Entlohnung eingreift, kann man durchaus nachvollziehen. Insbesondere dann, wenn diese Weitergabe der steigenden Lohnkosten schwierig ist.

Auch dass der Staat in die Tarifautonomie eingreift, die im Grundgesetz verankert ist, sollte man kritisch sehen.

Und was ist mit den Arbeitnehmern?

Wenn man die Seite der Arbeitnehmer betrachtet, ist der Mindestlohn eine Verbesserung. Zwar verdienen gelernte Gärtner in der Regel (je nach Fachrichtung) mehr wie die 8,50 Euro, aber gerade Hilfskräfte werden von diesem Mindestlohn profitieren. Und die Floristen, die genauso wie die Gärtner eine dreijährige Ausbildung absolvieren, dürfte der Mindestlohn helfen, da die Floristen (Ähnlich den Frisören) in der Regel sehr schlecht bezahlt werden.

Auch ist der Mindestlohn ein Zeichen an die Arbeitgeber, dass auch die unteren Lohngruppen nicht zu weit abdriften dürfen. Wobei das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Seit vielen Jahren kämpft der Gartenbau um Nachwuchs, weil er einen schlechten Ruf wegen niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen hat. Auch hier hätte man ein Zeichen setzen können, dass man die Arbeitnehmer anständig entlohnt, anstatt über schwindenden Nachwuchs zu meckern, der wegen niedrigen Gehältern sich andere Berufe aussucht.

Viele Probleme im Gartenbau sind dabei hausgemacht. Sei es das Fehlen von qualifiziertem Nachwuchs, der Strukturwandel, Preisdruck, Automatisierung, Konkurrenz durch Baumärkte und Co, all das hat man über Jahre hinweg verschlafen. Auch eben die gerechte Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen war und ist den Arbeitgebern all die Jahre egal gewesen, das rächt sich jetzt immer mehr und wenn dann auch noch der Staat einspringen muss, ist das insgesamt gesehen eine schlechte Entwicklung. Eine Entwicklung, dass es eine gerechte Entlohnung in diesem Land nicht mehr gibt und man in Deutschland in der Lohnentwicklung anderen Ländern deutlich hinterherhinkt. Zeit für ein Umdenken.

4 Kommentare zu “Der Gartenbau und der Mindestlohn

  1. Ein Mindestlohn ist sicherlich schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber dies sollte der Höhe nach so sein, dass ein/e Vollzeitbeschäftige/r auch eine Familie ernähren kann. Hier muss sich also auf jeden Fall noch einiges tun, damit auch die Arbeitnehmer mit der Situation zufrieden sein können.

  2. René Zintl

    Richtig, deswegen finde ich die Höhe von 8,50 auch viel zu wenig. Das ist ja brutto. Und das soll dann zum Leben reichen? Daher fand ich den Vorschlag von 10,50 wesentlich besser.

    Aber besser so ein Mindestlohn, als gar keiner.

  3. Hallo,

    der Mindestlohn wird viele Gartenbaubetriebe in die Knie zwingen. Es ist leider so. Durch die Globalisierung verlagern Märkte die Produktion immer dorthin, wo sie am günstigsten ist. Und da ist Deutschland nicht der beste Standort aufgrund der Lohnkosten. Das ist die Dynamik unserer Wirtschaft. Ich kann, nur weil es mir so viel Spaß mach,t auch nicht mehr jede Art von Gütern in kleinen Geschäften verkaufen, die gibt es nämlich alle bei Aldi, Lidl etc. Der deutsche Gartenbau wurde viel zu lange wie ein Handwerk behandelt und man glaubte man kann sich auf eine Gärtnertradition berufen. Es sind Güter wie alle andere auch, ach sie leben, und? Auch hier ist Innovation gefragt, man kann so eine Produktion nicht mehr so organiseren wie noch zu Opas Zeiten, weil die Nachfrage nicht mehr da ist, weil inzwischen jeder Pflanzen, Blumen etc. verkauft. Das hätte man kommen sehen müssen, doch vor ca. 20 Jahren. Tut mir Leid für den deutschen Gartenbau, zumindest in einigen Bereichen, doch die Zeiten Gewinne zu machen auf Kosten Anderer sind vorbei. Das gilt nicht nur für Unternehmen wie Hermes und Wiesenhof sondern für jeden. Diese Wirtschaft nimmt keine Rücksicht, auch wenn es sich dabei um wesentliche Teile der Ernährung der Bevölkerung handelt.

    • René Zintl

      Es ist in der Tat schade, dass so viele Gärtnereien verschwinden. Aber es ist zum Teil auch selbst gemacht, weil man den Wandel verschlafen hat. Gerade auch, dass man entweder den Trend der Automatisierung mitgeht und damit entsprechende Preise und Massen anbieten kann oder man konzentriert sich auf Qualität oder spezialisiert sich auf eine bestimmte Sparte oder ein spezielles Produkt. Das sind eigentlich so die 2 Möglichkeiten die man als Gärtner momentan hat.

      Ich kenn auch die ein oder andere Gärtnerei, die durch den Mindestlohn überlegt, ob man zumacht oder nicht. Aber es gibt auch genügend Gärtnereien, die auf Automatisierung gesetzt haben und dadurch dem Mindestlohn gelassen entgegensehen.

      Daher sind es wohl teils auch Einzelfälle und auch Einzelschicksale. Und ich muss sagen, dass in vielen Branchen der Mindestlohn längst überfällig ist. Wenn ich sehe was ein Friseur verdient treibt es mir die Tränen in die Augen.

      Alles in allem wird das eine spannende Zeit die nächsten Jahre.

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