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Online-Petition gegen Patente auf Nahrung und Tiere

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Man kann ja von Online-Petitionen halten was man möchte: Die einen sagen, das bringt nix wenn da welche im Internet abstimmen und dass dann an den jeweiligen Minister gesendet wird. Andere sagen dafür wiederum, dass es dennoch ein Zeichen ist, wenn mehrere tausend oder sogar hunderttausend Menschen gegen was abstimmen.

Ich bin da für letzteres, denn nicht jeder kann oder möchte auf die Straße gehen und gegen etwas demonstrieren und trotzdem möchte sich derjenige für ein bestimmtes Thema einbringen. Und dafür ist eine Online-Petition eine gute Wahl. Zumal man auch nicht wegen allem sofort auf die Straße muss, da reicht es auch eventuell, Online ein Zeichen zu setzen.

Patente auf Leben

Konkret tauchen in letzter Zeit öfters Fälle auf (zumindest auch in den Massenmedien), in denen neue Sorten von Gemüse ein Patent bekommen. Das heißt, dass jeder, der diese neue Sorte verwenden will, eine entsprechende Gebühr bezahlen muss oder diese Sorte erst gar nicht verwenden darf.

Dabei sind es oftmals Sorten, die einen großen Mehrwert besitzen, weil sie resistent gegen bestimmte Krankheiten oder Schädlinge geworden sind, anders wachsen und man sie deswegen leichter ernten kann oder auch einen Salat, der länger frisch wirkt.

Wie entstehen neue Sorten?

Dabei fällt einem auf, dass Patente eigentlich nur auf Erfindungen gegeben werden. Aber neue Sorten erfindet man nicht, sondern man entdeckt sie. Man kreuzt so lange verschiedene Sorten und Arten, bis man das gewünschte Ziel erreicht hat. Dabei dauert das meist viele Jahre und selbst wenn man die Sorte gefunden hat, muss man erst noch in Tests herausfinden, ob diese Sorte stabil ist und auch in der Massenherstellung das Gewünschte hervorbringt.

Mittlerweile spielt auch die Gentechnik eine Rolle. Aber auch hier erfindet man keine neue Sorte, sondern man experimentiert mit verschiedenen Gensträngen und einzelnen Genen herum, bis man den gewünschten Vorteil gefunden hat.

Was spricht denn gegen ein Patent auf Leben?

Zum einen sind es eben Entdeckungen und keine Erfindungen was die Hersteller dort machen. Wieso sollte man auf eine Entdeckung ein Patent geben? Zumal es auch ein sehr empfindlicher Bereich ist: Nahrung. Wieso sollte man in so einem sensiblen Bereich Patente vergeben?

Wenn ein Konzern viele Patente hat, bekommt er eventuell einen ungeheuren Vorteil bei der Nahrungsproduktion und Nahrung sollte für alle da sein, nicht nur für die, die es sich leisten können oder in der Gunst eines Konzerns stehen.

Der Markt für Nahrung und Wasser auf der Welt wird zunehmend zentralisiert und konzentriert auf wenige große Konzerne. Man denke an Nestlé, wieviele Unternehmen mittlerweile zu diesem Konzern gehören. Und wenn man hört, was Nestlé so alles treibt, beispielsweise Milchersatzprodukte in Afrika oder den Kauf von Wasserquellen in Gebieten mit schlechter Wasserversorgung, dann hat dass einen sehr faden Beigeschmack.

Im Bereich von Pflanzen für die Nahrung, spielen Syngenta und Monsanto eine große Rolle. Monsanto kennt der ein oder andere vielleicht im Zusammenhang mit Glyphosat. Zu diesem Spritzmittel gibt es auch heftige Diskussionen, wie gefährlich es ist. Außerdem hat Monsanto schon einige Patente auf Gemüse wie zum Beispiel Brokkoli.

Doch was macht dann zum Beispiel ein lokaler Gemüsebaubetrieb, der sich die Lizenzgebühren für neue Sorten nicht leisten kann? Er wird mit alten Sorten arbeiten müssen, die anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge sind, vielleicht nicht so lange haltbar sind und andere Nachteile haben.

Dabei ist es eigentlich in unserem aller Interesse, wenn das Thema Nahrung regionaler wird. Wieviele Menschen auf der Welt hungern immer noch, obwohl es eigentlich genug Essen auf der Welt für alle geben würde? Stattdessen produziert man Getreide um daraus Biokraftstoff zu machen oder karrt Nahrungsmittel um die halbe Welt.

Es gibt immer mehr Menschen die in Städten leben, da wird man sich in Zukunft etwas einfallen lassen müssen, um diese Menschen ernähren zu können, mit dem bisherigen System geht das nicht. Aber da müssen auch wir Endverbraucher uns ändern und unseren Ernährungsstil ändern. Dass der derzeitige Fleischkonsum nicht so weitergehen sollte, müsste eigentlich klar sein, aber dass sich das ändert, wird Zeit brauchen, wenn er sich überhaupt ändert.

Aber beim Thema Fleisch versucht man regionaler und hochwertiger zu denken. Wieso kann man das beim Thema Gemüse und Obst nicht auch machen? Es gibt viele Gemüsebaubetriebe die regional verkaufen und zum Glück erkennen auch die Supermärkte, dass etwas regionales gut bei uns Endverbrauchern ankommt.

Ich kaufe meinen Apfel lieber von einen Betrieb, der in der Nähe ist, als dass er extra von Neuseeland hergeschafft wird. Doch auch solche regionalen und kleineren Betriebe sollten die Möglichkeit haben, an neue Sorten heranzukommen.

Denn das kommt uns allen zugute: Wir Verbraucher bekommen fairere Preise, weil nicht ein großer Konzern den Markt bestimmt und der Umwelt tut es gut, wenn regional hergestellt wird. Das alles können solche Patente zunichte machen oder zumindest erschweren.

Wie geht es weiter?

Beim europäischen Patentamt sind viele weitere Anträge für Patente auf neue Gemüsesorten eingereicht worden. Es wird also immer mehr Patente auf neue Sorten geben. Und daher gibt es auch eine entsprechende Petition gegen Patente auf Leben.

Auf Campact gibt es eine Petition gegen diese Patente, dort wird auch alles noch einmal kurz erklärt. Wenn die 375.000 Unterschriften gesammelt sind, wird es an die EU-Justizminister geschickt (unteranderem an Heiko Maas, Bundesjustizminister).

Wer macht mit? Ist jemand für die Patente? Oder jemand dagegen? Dass geistige Ideen geschützt werden müssen versteht sich von selbst. Aber auf sowas Patente?

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