Gutes Bio? Schlechtes Bio?

Ich habe heute einen neu erschienenen Artikel vom Stern gelesen. Leider ist der Artikel nur über Blendle (Registrierung notwendig) lesbar, oder im regulären Stern ganz Oldschool auf Papier. Darin ging es hauptsächlich um den Bioanbau in Spanien, aber auch generell um den Bioanbau in Deutschland, Europa und der Welt.

Hauptaussage ist die, dass der Bioanbau bei weitem nicht so umweltfreundlich ist, wie man vermutet und dass den Menschen in Deutschland, die Bio kaufen, nur suggeriert wird, dass sie sich selbst und der Umwelt damit etwas Gutes tun. Ist da was dran?

Ist der Bioanbau wirklich so schlecht für die Umwelt?

Wenn man dem Artikel glauben darf: Ja. Zwar halten die Betriebe die Standards für das jeweilige Biosiegel meistens ein. Aber das Biosiegel kontrolliert und garantiert ja nicht alles: Woher kommt das Wasser für Gemüse und Obst? Wie werden die Arbeitskräfte behandelt und bezahlt? Was passiert mit den versiegelten Flächen für die Gewächshäuser? Und, und, und…

Wenn zum Beispiel das Grundwasser angezapft wird, und der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt, wird das nicht kontrolliert. Wenn für den Anbau ganze (unter Naturschutz stehende) Landstriche unter Gewächshäusern verschwinden, interessiert das niemanden, wenn die Arbeiter nur aus Flüchtlingen bestehen und schlecht bezahlt werden, kontrolliert das niemand.

Dabei will man ja als Käufer von Bioprodukten, dass auch diejenigen, die das herstellen, entsprechend gut davon leben können. Die Inhaber der Firmen leben auch alle gut davon, nur die Arbeiter die in den Gewächshäusern stehen, bekommen keinen richtigen Anteil an dem, was sie produzieren.

Die Chefs von den Produktionsfirmen finden es natürlich super, dass sie Bio produzieren können, denn damit haben sie eine höhere Marge. Aber das sind dann auch die einzigen Profiteure. Die Umwelt profitiert nicht, die Arbeiter profitieren nicht und der Verbraucher, der das Produkt am Ende kauft, hat halt sein günstiges Bioprodukt. Wie das dann hergestellt wurde, interessiert nicht, hauptsache günstig und das Biosiegel ist drauf.

Eine Lanze brechen muss ich aber dennoch für viele Betriebe, die unter den Richtlinien von Demeter, Naturland oder Bioland produzieren. Hier sind die Auflagen um ein vielfaches höher. Die Probleme die ich hier im Artikel beschreibe, gibt es oft nur mit dem EU-Bio-Siegel.

Bio ist nicht gesünder und nicht die Lösung aller Probleme!

Die Stiftung Warentest hat festgestellt, dass Bio nicht immer gleich bedeutet, dass es deswegen gesünder ist. Oftmals sind die Eigenschaften dieselben, wie bei konventionellen Produkten. Wieso sollte man also Bio kaufen? Wenn noch dazu die Herstellung mehr als fragwürdig ist?

Außerdem gibt es noch das Problem, dass auf der Welt immer mehr Menschen leben und was noch gravierender ist: Immer mehr Menschen wollen oder essen schon Fleisch. Die Landwirtschaft kann aber diese Mengen immer weniger in ausreichender Menge zur Verfügung stellen. Gerade der Fleischkonsum braucht eine immense Menge an Ressourcen.

Und wer Bio herstellt, der produziert nunmal weniger, da er nicht die Möglichkeiten wie ein herkömmlicher Bauer hat. Wenn dann immer mehr Bio produziert wird, kann man damit auch immer weniger Menschen versorgen. Das ist ja auch eine Preisfrage, da sich nicht jeder Bioprodukte leisten kann oder will.

Ist Bio scheisse?

Sicher nicht! Ich mag Bio, ich mag den Grundgedanken dahinter. Ich kenne ein kleines Dorf, in dem ein Gemüsebauer unter Demeterbedingungen anbaut. Wenn ich die Qualität sehe und mit welcher Leidenschaft er produziert, wie kleine Kinder sich schon auf dieses Gemüse freuen und auch der Einkauf in seinem Hofladen den Kunden eine Freude ist, er oft einfach kurz in das Folienhaus nebenan geht und Gemüse frisch erntet, ist das einfach etwas tolles. Regionaler und natürlicher geht es nicht. Aber zum einen ist das recht teuer und zum anderen bekommt man damit das Gros der Menschen auch nicht satt. Schön wäre es aber.

Ich selber habe lange Zeit Bio einfach blind gekauft. Wieso kaufe ich im Winter Biotomaten aus Spanien? Das ist doch eigentlich Humbug, wenn die Produktion unter so schwierigen Bedingungen gemacht wird und man das Gemüse dann die 2000 km noch extra hierher verfrachten muss. Kann man da nicht etwas saisonaler essen und einkaufen? Aber man will sich ja auch nicht einschränken, man ist ja verwöhnt…

Zumal man sich einfach von dem Gedanken verabschieden muss, dass Bio alles besser macht oder ist. Es ist laut neuesten Studien nicht gesünder oder besser als normale Lebensmittel. Bio ist einfach Luxus den sich viele leisten möchten und der oft auch völlig für den Popo ist.

Das soll kein Bashing gegen Bioprodukte sein, aber oftmals schadet es einfach nicht, sein (Einkaufs-)Verhalten zu hinterfragen, ob das wirklich Sinn macht oder nicht. Ich werde weiterhin Biolebensmittel kaufen, aber eben nicht mehr so konsequent wie früher.

Man muss nicht immer sein Verhalten ändern oder in Zweifel kommen, aber ich bin bei dem Artikel im Stern eben etwas ins grübeln gekommen, wie die Biolebensmittel eigentlich angebaut werden und die Anbaubedingungen sind nunmal eher schlecht. Da kommt man ins grübeln und grübeln ist besser, als nur blind einzukaufen oder blind seinem Verhaltensmuster zu folgen.

2 Kommentare zu “Gutes Bio? Schlechtes Bio?

  1. Kurt Röseler

    Interessant!
    Das würde ja bestätigen, was ich seit langem vermutet habe. Nämlich, dass der ganze Bio- und Öko-Kram in erster Linie dazu dient, höhere Gewinne zu erzielen und der Gdanke des Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Gesundheitsgewinns bestenfalls ein werbewirksamer Nebeneffekt ist.
    In welcher Ausgabe wurde denn über das Thema geschrieben? Ich würde gern einmal den ganzen Text lesen.

    Nebenbei: Eine sehr interessante und hilfreiche Seite haben sie hier aufgebaut! Danke und weiterhin viel Erfolg damit!

    • René Zintl

      Hallo! Vielen Dank für das Lob. 🙂

      Die gesuchte Ausgabe ist Heft 47/2016. Entweder im Stern-Shop zu bestellen, oder man kann den Artikel bei Blendle für einen kleinen Centbetrag lesen.

      Der Artikel vom Stern ist sehr aggressiv geschrieben. Deswegen habe ich bei meinem Artikel versucht, mehrere Seiten darzustellen. Denn nur weil ein Bioprodukt aus Spanien kommt, muss es deswegen nicht immer schlecht sein. Aber zumindest regt der Artikel zum nachdenken an.

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