Eigentlich sollte man meinen, dass es heutzutage kaum noch Überraschungen gibt, wenn man vorher alles im Internet nachschauen kann. So war es zumindest bei mir in Karlsruhe: Eigentlich war ich dort, um den Botanischen Garten beim Schloss zu besuchen. Soweit, so gut. Danach war ich noch etwas in Karlsruhe unterwegs und habe eher zufällig auf Google Maps gesehen, dass es noch einen weiteren botanischen Garten gibt, von dem ich bisher überhaupt nichts wusste: den Botanischen Garten des KIT.
Also hingelaufen und angeschaut. Und ich kann schon vorwegnehmen: eine wirklich tolle Anlage.
Dazu kommen ziemlich angenehme Öffnungszeiten:
April bis September
Montag bis Freitag: 8–16 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10–15 Uhr
Oktober bis März
Montag bis Freitag: 8–15 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10–14 Uhr
Zwischen dem 23. Dezember und 7. Januar ist der Garten geschlossen. Der Eintritt ist kostenlos.
Gerade diese Kombination aus vernünftigen Öffnungszeiten und freiem Eintritt ist wirklich angenehm. Da könnten sich andere botanische Gärten durchaus etwas abschauen.

Der Garten selbst ist nicht besonders groß. Wenn man also nicht wie ich ständig fotografiert, filmt und irgendwo hängen bleibt, dürfte man je nach Interesse in ungefähr einer Stunde durch sein.
Was ich besonders bemerkenswert finde: Man merkt dem Garten relativ schnell an, dass er nicht nur der Präsentation dient, sondern intensiv für Forschung und Lehre genutzt wird. Es gibt nicht öffentlich zugängliche Forschungsgewächshäuser, Versuchsbeete und zahlreiche Infotafeln, die erklären, woran dort gearbeitet wird. Dazu gehören zum Beispiel Forschungen zu Mehltau an Weinreben, die Erhaltung alter Rebsorten oder eine Gendatenbank für Wildpflanzen aus den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft.
Natürlich wird auch in anderen botanischen Gärten geforscht. In Karlsruhe ist dieser Teil aber besonders sichtbar und prägt den Charakter der Anlage deutlich stärker, als ich es von vielen anderen Gärten kenne.

Gewächshäuser mit Geschichte
Die Schaugewächshäuser sind teilweise sichtbar in die Jahre gekommen. Für mich ist das allerdings überhaupt nichts Negatives. Im Gegenteil: Gerade dadurch haben sie einen eigenen Charme, den man in einem neuen Gewächshaus kaum künstlich herstellen könnte.
Das Metall trägt sichtbar einige Jahrzehnte auf dem Buckel, und viele Pflanzen wachsen ebenfalls schon seit sehr langer Zeit an ihrem Platz. Dadurch entstehen Wuchsformen und Dimensionen, die schlicht Zeit brauchen und die man in frisch eingerichteten Gewächshäusern so nicht zu sehen bekommt.
Ich hoffe trotzdem, dass irgendwann das Geld für notwendige Sanierungen oder neue Häuser vorhanden ist. Eine Spende in der Spendenkasse kann man daher ruhig dalassen, auch einfach als Zeichen der Wertschätzung.
Denn je mehr botanische Gärten ich besuche, desto deutlicher wird mir, wie viel Wissen und Erfahrung hinter solchen Anlagen steckt. Gerade als Gärtner weiß man, dass solche Bestände nicht einfach von selbst über Jahrzehnte gut wachsen. Vieles lässt sich natürlich auch durch Learning by Doing lernen, aber ohne Erfahrung funktioniert es nicht: Wie muss eine Pflanze gegossen werden? Welche Luftfeuchtigkeit braucht sie? Wie erkennt man Schädlinge frühzeitig und verhindert im besten Fall, dass sie überhaupt zum größeren Problem werden?
Dazu kommen unzählige weitere Kleinigkeiten, die man als Besucher überhaupt nicht mitbekommt. Der Lohn dafür sind dann solche über Jahrzehnte eingewachsenen Gewächshäuser.


Was gibt es zu sehen?
Zu den öffentlich zugänglichen Gewächshäusern gehören unter anderem das Infocenter mit Farnen und Kannenpflanzen, das hohe Palmenhaus, ein Haus für tropische Nutzpflanzen, ein Haus für tropische Sumpf- und Wasserpflanzen sowie zwei Sukkulentenhäuser.
In einige der Forschungs- und Versuchshäuser kann man zumindest von außen durch die Scheiben schauen.
Auch im Außenbereich geht es stark um Forschung und Lehre. Dort finden sich unter anderem die bereits erwähnten Versuche mit verschiedenen Rebsorten, weitere Versuchsanlagen sowie ein Campusgarten für Studierende.
Fazit
Für mich war der Botanische Garten des KIT eine richtig schöne Überraschung. Er ist nicht riesig und auch nicht auf Hochglanz getrimmt, aber gerade die Mischung aus Forschung, alten Gewächshäusern, eingewachsenen Pflanzen und dem etwas raueren Charme macht ihn interessant.
Dazu ist er mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und kostet keinen Eintritt.
Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.







