Pflanzen brauchen Licht – Aber wie viel?

Mir ist diesen Sommer schon aufgefallen, dass meine Wohnung dunkler ist, als ich dachte. Das hatte ich in dem Artikel über die ausgesäten Tomaten schon näher beschrieben.

Mein Fenster geht Richtung Osten raus und im Sommer scheint da von morgens bis Mittags die Sonne drauf. Aber dadurch dass da ein Balkon darüber ist, kommt da bei weitem nicht das an Licht in die Wohnung, was man gemeinhin annehmen würde. Ich selber habe mich da auch gründlich getäuscht.

Problem war, dass meine Tomatenjungpflanzen viel zu lange gebraucht haben, bis sie groß wurden. Erst nachdem ich sie unter eine Pflanzenlampe gestellt hatte, wuchsen sie kräftig weiter.

Ich wusste zwar, dass meine Wohnung mit dem Ostfenster nicht die hellste Wohnung ist, aber dass sie so dunkel ist, hat mich doch überrascht.

Seither beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema. So will ich dieses Jahr Gurken aussäen. Das müsste man normal im April machen. Ich werde aber schon Ende März damit anfangen und auch direkt wieder unter einer Pflanzenlampe aussäen, um das fehlende Licht auszugleichen. Da Gurken viel Licht brauchen, wäre es ihnen bei mir und der Wohnung zu dunkel und ich habe keinen besseren Platz dafür, da ich nur eine 1-Zimmer-Wohnung habe.

Wie viel Licht brauchen Pflanzen?

Die meisten Pflanzen brauchen zwischen 500 und 3000 Lux. Das sind aber die Mindestwerte. Wann immer man liest, die Pflanze würde mit dunklen Standorten klarkommen, heißt es eben auch nur das: Sie kommt damit klar. Sie würde sich aber an einem helleren Standort wesentlich besser fühlen.

Dabei kann man sagen, dass die meisten Pflanzen einen hellen Standort ohne direkte Sonne bevorzugen. Selbst wenn man Pflanzen wie einen Bogenhanf, eine Diefenbachie, eine Strahlenaralie oder einer Zamie hat, bedeutet das nicht, dass man diese zwingend in eine dunkle Ecke stellen muss. Im Gegenteil, die Pflanzen würden sich über einen helleren Standort freuen und würden das auch mit einem wesentlich besserem Wachstum zeigen.

Was ist Lux?

Lux ist ein Wert, der die Intensität angibt, wie stark eine Fläche beleuchtet wird. Normalerweise hat man als normale Person kaum damit zu tun und selbst als Gärtner kommt man mit dem Wert selten damit in Kontakt. Aber man kann damit das ganze Thema besser veranschaulichen.

Wie hell ist es in der Wohnung?

Wer ein Südfenster hat, hat nicht automatisch das hellste Fenster. Man kann es pauschal nicht sagen, da äußere Einflüsse wie nahestehende Häuser, Bäume oder Balkone die Lichtverhältnisse ändern können. Auch Gardinen mindern den Lichteinfall erheblich.

Generell ist aber das Südfenster am hellsten, gefolgt vom Ost- und Westfenster und zum Schluss das Nordfenster. Im Freien hat man oft teilweise Luxwerte zwischen 10.000- und 30.000 Lux.

Wenn jetzt – als Beispiel – im Freien gerade eine Helligkeit von 30.000 Lux herrscht, bleiben bei einem Südfenster direkt hinter der Scheibe noch 20.000 Lux übrig, bei einem Ost- oder Westfenster noch 10.000 Lux und an einem Nordfenster noch etwa 5.000 Lux. Das sind aber nur sehr grobe Werte! Aber damit kann man veranschaulichen, was das für einen Unterschied macht, in welche Richtung ein Fenster zeigt.

Hat man noch einen Balkon über dem Ost- oder Westfenster, bleiben dann schnell nur noch 5.000 Lux übrig. Und was gerade für Zimmerpflanzen wichtig ist: Je weiter weg die Pflanze vom Fenster steht, desto mehr nimmt das Licht ab.

Wenn jetzt also direkt am Fenster 5.000 Lux wären, dann kann man nach folgenden Entfernungen diese Werte nennen:

  • 1 Meter vom Fenster weg: 2000 Lux
  • 2 Meter vom Fenster weg: 1000 Lux
  • 3 Meter vom Fenster weg: 500 Lux

Oben hatte ich gesagt, dass die Mindesthelligkeit (nicht die Optimalhelligkeit!) für Pflanzen zwischen 500-3000 Lux liegt. Daher kann man in etwa ahnen, wie dunkel viele Pflanzen eigentlich stehen. Und wieso man mit manchen Pflanzen Probleme hat.

Was für Probleme machen denn Pflanzen, die zu dunkel stehen?

Das größte Problem ist nicht das fehlende Licht, sondern die nicht angepasste Pflege. Die häufigsten Probleme bei zu wenig Licht:

  • Zu viel Wasser – Die Pflanze braucht wenn sie dunkel steht, weniger Wasser.
  • Zu viel Dünger – Gleiches Problem wie mit dem Wasser, dass einfach weniger Düngerbedarf besteht.
  • Schlechter Wuchs – Die Pflanze geht in die Länge, bleibt nicht kompakt, Blätter verfärben sich.
  • Die Pflanze geht kaputt – Im ungünstigsten Fall verliert die Pflanze Blätter, verkümmert und kann auch eingehen.

Was bedeutet schattig, halbschattig und hell?

Auf den meisten Etiketten stehen was den Standort angeht Begriffe wie hell, halbschattig oder schattig. Wer das in Lux wissen möchte, findet selten genaue Angaben, hier aber mal sehr grobe Richtwerte:

  • Hell – 2000-3000 Lux
  • Halbschattig – 1000-2000 Lux
  • Schattig – 500-1000 Lux

Hell bedeutet dabei, dass die Pflanze direkt am Fenster steht. Halbschattig dass sie etwa 1-1,5 Meter vom Fenster weg steht und schattig bedeutet, dass sie 2-3 Meter vom Fenster entfernt steht. Dabei sind das sehr grobe und eher großzügige Werte die von einem Südfenster ausgehen. Bei ungünstigen Verhältnissen können die Werte drastisch fallen.

Wie finde ich die Lux-Zahl selber heraus?

Früher brauchte man teure Luxmeter oder Belichtungsmesser. Dank digitalem Zeitalter brauchen wir nur ein halbwegs aktuelles Smartphone und eine App wie zum Beispiel LightMeter für iOS. Für Android gibt es sicher auch eine entsprechende App. Damit kann man an verschiedenen Standorten und er Wohnung mal testen, wie hell es eigentlich ist und hat dann so einen besseren Anhaltspunkt, was für Pflanzen man kaufen kann oder sollte.

Welche Pflanzen brauchen welche Helligkeit?

Hier mal eine kleine Übersicht, welche Pflanzen welche Lichtverhältnisse mindestens benötigen:

Hell (2000-3000 Lux)

Begonien, Bananen, Strelitzien, Euphorbien, Birkenfeige (Ficus benjamina), Hortensien, Weihnachtssterne, Fleischfressende Pflanzen, Kakteen und Sukkulenten, Alpenveilchen, Azaleen.

Halbschattig (1000-2000 Lux)

Orchideen, Alokasie, Calathea, Fensterblatt, Glückskastanie, Zierpfeffer, Ufopflanze, Baumfreund (Philodendron), Strahlenaralie (Schefflera), die meisten Palmen, Sanseverie, Drachenbäume.

Schattig (500-1000 Lux)

Diefenbachie, Zamie, Kolbenfaden, Einblatt.

Bringt eine Beleuchtung etwas?

Mit normalen Lampen (egal ob LED, Halogen oder Leuchtstoffröhre) erreicht man kaum etwas, da die Pflanzen nicht das benötigte Lichtspektrum bekommen. Dagegen kann man mit speziellen Lampen durchaus auch dafür sorgen, dass Pflanzen auch an Standorten wachsen wo es kaum oder gar kein natürliches Licht gibt.

Die Lampen sind zum Teil nur sehr teuer, verbrauchen Strom und ob man in der Wohnung an diversen Orten immer eine Lampe mehrere Stunden am Tag anhaben will, muss jeder für sich selber entscheiden.

Was kann ich im Winter für die Pflanzen tun?

Im Winter kann man die Pflanzen gerne mal abstauben. Richtig gehört: Abstauben. Denn die Pflanzen verstauben mit der Zeit, über die Blätter legt sich ein Staubfilm und es kommt noch weniger Licht an die Blätter als ohnehin schon. Das kann man mit einemS Stoffhandschuh machen oder Mans stellt die Pflanze unter die Dusche und braust sie ab.Da muss man aber aufpassen, dass man die Pflanze nicht ersäuft und sie wieder vollkommen abtrocknen kann.

Muss ich mich mit den Lux-Werten auskennen?

Nein! Wie oben gesagt, dient das in diesem Artikel nur zu besseren Veranschaulichung. Man muss jetzt nicht in der Wohnung die Luxzahl messen, dann in das Gartencenter gehen und die passenden Pflanzen wählen. Die groben Bezeichnungen hell, halbschattig, schattig reicht vollkommen aus. Aber die Beispiele in diesem Artikel können das einem mit den Luxzahlen nochmal besser erklären.

Wie finde ich die für mich und meine Wohnung passende Pflanze?

Diese Frage würde einen eigenen Artikel füllen. Wie oben schon aber gesagt: Die meisten Pflanzen möchten einen hellen Platz ohne direkte Sonne. Damit kann man im Normalfall nichts falsch machen. Braucht man aber Pflanzen für wirklich dunkle Standorte, sollte man es mit den Klassikern wie Zamie, Diefenbachie oder dem Einblatt probieren und schauen, wie es funktioniert. Diese Pflanzen sind recht großzügig und halten einiges aus.

Natürlich ist man dann in der Auswahl eingeschränkt, aber man findet eigentlich für jeden Einsatzzweck etwas. Wer sich da noch unsicher ist und Hilfe braucht, kann mir gerne mailen, hier ein Kommentar schreiben oder mich auf den zahlreichen anderen Kanälen erreichen.

15 Kommentare zu “Pflanzen brauchen Licht – Aber wie viel?

  1. Danke für den sehr informativen Bericht. Ich fange jetzt gerade auch an, mit „optimalen“ Standorten zu experimentieren. Ich habe mir ein paar Kardamom-Pflänzchen (Kardamom soll mit extrem wenig Licht, also < 300 Lux, auskommen können) aus Samen gezogen und an verschiedenen Stellen in der Wohnung platziert: Nord-Ost-Fenster, Süd-Fenster (mit Milchglas), Süd-West-Fenster und in den jeweiligen Räumen in verschiedenen Entfernungen zum Fenster … bin mal gespannt, was dabei rauskommt.

    • René Zintl

      Hey, danke für deinen interessanten Kommentar. Kannst ja dann gerne Bescheid geben, wie es gelaufen ist. Würde mich dann auch interessieren. :)

  2. Hallo Rene,

    vielen Dank für deinen Artikel. Mich beschäftigt auch gerade das Thema Licht sehr.
    Denn ich habe eine Geigenblatt Feige, die zwar am Süd/Fenster steht aber jetzt gelbe Blätter bekommt. Im Forum hat man mir gesagt, die Pflanze hätte zu wenig Licht.
    Hast du einen Tipp, wie viel Licht eine Geigenblatt Feige benötigt?
    Hast du einen weiteren Tipp für eine Lichtlampe (von unten)?
    Herzlichen Dank

    • René Zintl

      Ficus lyrata braucht viel Licht aber keine direkte Sonne. Wobei es sich auch bis zu einem gewissen Grad dran gewöhnen kann.

      Wenn der lyrata trotz Südfenster gelbe Blätter bekommt, kann das entweder an zu wenig Wasser oder zu wenig Dünger liegen.

  3. Hallo René, ich habe eine Pflanzenbeleuchtung mittels LED Pflanzenlampen installiert, jetzt liegt der Lux Wert im Maximum bei ca. 40.000 Lux. Nun meine Frage ob es zu viel für Pflanzen ist, die gerne hell stehen?

    • René Zintl

      Es gibt halt den Unterschied zwischen hell und sonnig. Bei Hell bekommt die Pflanze keine direkte Sonnenstrahlen ab, bei einem sonnigen Platz schon.

      Daher mal schauen, ob die Pflanze auch sonnige Plätze mag bzw. auch einfach testen. Das merkt man im Normalfall rechtzeitig und kann die Pflanze wieder aus der Belichtung stellen. Wobei 40k Lux schon einiges sind.

  4. Hallo René, ich habe eine Pflanzenbeleuchtung mittels LED Pflanzenlampen installiert, jetzt liegt der Lux Wert im Maximum bei ca. 40.000 Lux. Nun meine Frage ob es zu viel für Pflanzen ist, die gerne hell stehen?

  5. Hello
    Hab grade ein paar Kakteensamen, aus Opuntie, eingepflanzt. Keine Ahnung ob sie in dieser Zeit überhaupt austreiben. ich hab sie in ein selbstgemachtes, kleines Ansatzbeet aus einer Schale gesetzt, Erde angefeuchtet und mit Folie überzogen. Jetzt steht die Schale entweder am Fenster oder unter einer Leuchtstoff-Schreibtischlampe. Könnte das funktionieren und wie lange braucht es bis zum austreiben?
    lg, Chris

    • René Zintl

      Wenn, dann eher am hellen und warmen Fenster. Wenn alles passt, sollten die Samen in 2-6 Wochen keimen.

  6. Ich lese deinen Bericht auch immer wieder gerne und ich hab ihn schon oft geteilt, weil einfach so wenige da draußen sich wirklich mit Licht und Pflanzen auseinandersetzen, grade im Winter in der Wohnung ist das sooo wichtig und daher finde ich deinen Beitrag sehr wertvoll ! Nicht nur das, nein auch die Wasser und Nährstoffgaben gehen Hand in Hand und es ist so wichtig, das man das alles berücksichtigt wenn man eine gesunde Pflanze haben möchte ! Ich würde dich nur gerne um eines bitten, nimm doch die Sanseveria (Bogenhanf) von den ’schattigen Pflanzen‘ weg – als Sukkulente liebt sie die Sonne und das Licht – ich weiß, sie ist sehr genügsam und passt sich mit Wachstumsstillstand lange Zeit an zu dunkle Situationen an, aber sie kann damit nur umgehen weil sie enorme Reserven hat… glücklicher wäre sie in der Kategorie halbschattig wenn nicht sogar HELL :) Vielen lieben Dank ! Lea

    • René Zintl

      Da hast du recht. Ich stell den Bogenhanf mal in die mittlere Riege und in Klammer dann was dazu. Danke für den Hinweis.

  7. Hallo Rene, danke für den Artikel. Wirklich super und eingängig erklärt. Ich bin selber aus der grünen Branche und erkläre den Licht/Wasser/Dünger Zusammenhang unzählige Male im Geschäftsalltag, da immer wieder Kunden kommen und sich darüber verwundern, dass Pflanzen bei ihnen nicht „funktionieren“ obwohl sie doch alles richtig gemacht haben.
    Auf meine Rückfrage wo genau steht die besagte Pflanze und wie oft pro Woche gegossen wird, ist schnell klar, warum eine Pflanze eingeht.
    Pflanzen möchten nicht funktionieren sondern leben. Sie möchten nicht eine unschöne Zimmerecke kaschieren, sondern mit ihrer Schönheit einen Raum schmücken. Schade, dass in unserer Gesellschaft Pflanzen keinen Wert mehr haben und nur noch als Wegwerfartikel gesehen werden. In früheren Generationen war man Stolz darauf, das Usambaraveilchen wieder zum blühen gebracht zu haben. Heute wird es bereits unmittelbar in die grüne Tonne entsorgt, wenn die ersten Blüten welken.

    Ich werde deine Seite gerne als Ratgeberseite empfehlen.

    • René Zintl

      Vielen Dank für dein Feedback und weiterhin viel Erfolg im Geschäftsalltag. :)

  8. Hey René,

    Ich habe mit großem Interesse deinen Artikel gelesen.
    Eine Frage beschäftigt mich: keine Pflanze mag direktes Sonnenlicht (warum, wegen der UV Strahlung?), ist es dann möglich, dass die Pflanze auch auf direktes Pflanzenlicht negativ reagiert (in meinem Fall Glückskastanie) oder gilt da je mehr Licht desto besser?

    Und hast du zufällig auch Erfahrungen mit den blau/roten Leuchten vs. den gelblichen?

    Danke und viele Grüße,
    Daniel

    • René Zintl

      Naja kommt auf die Pflanze drauf an. Gibt zum Beispiel die Yucca die direktes Sonnenlicht mag oder andere diverse Sukkulenten und Kakteen.

      Aber klar: Ist eine Pflanze direktes Licht in einer hohen Intensität nicht gewöhnt, reagiert sie mit Blattflecken oder ähnlichem. Aber teils kann man sie dran gewöhnen. Eine Glückskastanie mag es hell, aber keine direkte Sonne bzw. nur ein paar Stunden direkte Sonne.

      Wegen den Lichtsprektren bin ich nicht mehr tief genug im Thema drin. Wenn man aber ein gutes Pflanzlicht kauft, muss man sich da in der Regel keine Gedanken machen, welche Lichtspektren sie hat.

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